Produktfotos für den Onlineshop: Wie ich 150 Packshots für einen Spirituosen Kunden produziert habe.

Wie ein selbst entwickeltes Softbox-System ein riesiges Produktshooting möglich gemacht hat — und warum das Ergebnis trotzdem hochwertig ist.

Manchmal landet ein Auftrag auf deinem Tisch, der auf den ersten Blick unmöglich klingt. 150 Flaschen fotografieren. Jede davon ist anders.

Andere Höhe. Andere Breite. Andere Farbe. Und die Flüssigkeit drin? Auch jedes Mal neu. Mal klar, mal gefärbt. Und die beste Kombination: Eine klare Flasche mit klarer Flüssigkeit fotografieren.


Das ist kein normales Produktshooting mehr. Das ist Produktfotografie in Serie und wer das schon einmal gemacht hat, weiß: Glas verzeiht nichts. Glas reflektiert alles. Und wer versucht, 150 Flaschen mit demselben Standard zu fotografieren wie eine einzelne Flasche im sorgfältig aufgebauten Studio-Setup, wird scheitern oder ewig brauchen.

Mit meinem Anspruch in tadellosen Spiegelungen in hochglänzenden Produkten und bei der Menge an fertigen Fotos musste ein besserer Workflow her.

 

Was sind Packshots — und warum braucht jeder Onlineshop sie?

Bevor wir ins Projekt gehen, kurz zur Begrifflichkeit. Packshots sind standardisierte Produktfotos, die ein Produkt klar, sauber und ohne Ablenkung zeigen. Freigestellt oder auf neutralem Hintergrund. Frontalansicht, manchmal mit leichter Drehung. Das Produkt steht im Mittelpunkt. Sonst nichts.

Für Onlineshops sind Packshots das Wichtigste überhaupt.

Kein Styling. Kein Lifestyle. Nur das Produkt so wie es im Regal stehen würde. Genau das, was ein Kunde sehen will, bevor er auf „In den Warenkorb” klickt. Abern nicht falsch verstehen: Für Werbezwecke sind Packshots oder Produktfotos für den Online Shop nicht geeignet. Hier braucht man Werbefotos die den Inhalt und die Marke emotional darstellt. Daher biete ich exklusiv für Spirituosen einen Social Media Werbe fokussierten Service an. Hier gibt es mehr Infos zu dem Service “Ad to Cart”.

Aber zurück zu dem Auftrag: Für einen Spirituosen Hersteller muss ich 150 Flaschen fotografieren. Mal mit Karton, mal ohne, unterschiedliche Größen und Farben. Bei gleichbleibender visuellen Qualität.


Das Problem: 150 Flaschen, 150 Unterschiede

Glas ist das schwierigste Material in der Produktfotografie. Es reflektiert alles. Die Decke. Die Kamera. Den Fotografen. Jede Lichtquelle im Raum.

Bei einer einzelnen Flasche nimmst du dir Zeit: Licht millimetergenau aufbauen, Reflexionen mit schwarzen und weißen Cards kontrollieren, Diffusionsfolie schichten — bis das Glas endlich so leuchtet, wie es soll. Oder du machst es wie ich. Jede Flasche wird über einen aufwendigen Weg über Photoshop zusammengebaut. Warum die Mühe machen? Das findest du in diesem Blog Post.

Aber bei der Menge an Produkten durfte ich es mir nicht erlauben, jedes Produkt nachzubearbeiten. Wären wenigstens alle Flaschen gleich hoch und breit gewesen wäre der Workflow zusätzlich einfach gewesen. Aber das war nicht der Fall. Es gab mehr oder weniger drei Kategorien beim unterschiedlichen Höhen bedeutet. Ich musste auch die Produkte aus verschiedenen Distanzen oder Zoom Einstellung Größen fotografieren.

Weil das noch nicht schwer genug ist, war die Flüssigkeit auch von Produkt zu Produkt unterschiedlich. Ein grüner Kräuterlikör verhält sich im Licht komplett anders als ein klarer Wodka. Eine dunkle Whisky-Flasche aus braunem Glas schluckt Licht, eine schlanke Gin-Flasche aus Kristallglas wirft es zurück.

Für jede Flasche ein neues Setup aufbauen? Gleichzeitig war der Anspruch eindeutig: hochwertige Produktfotos für den Onlineshop indem man nicht das ganze Fotostudio inklusive Fotograf eingespielt sieht.

Und jetzt kommen wir zu der lösung, wie ich die Spiegelung/reflektionen von jeder Flasche problemlos kontrollieren konnte.


Die selbst entwickelte Softbox: Der Lichttunnel

Für dieses Shooting habe ich eine Softbox gebaut, die ich so in keinem Tutorial gesehen hatte.

Die Grundidee ist schnell erklärt:

Eine großflächige Diffusionsfläche wurde über eine Vorrichtung an der Decke montiert — ähnlich wie eine Duschvorhangstange. Das Diffusionsmaterial ließ sich rund um das Produkt wickeln: ein geschlossener Lichttunnel aus weichem, gleichmäßigem Licht.

Das Produkt hatte in diesem Tunnel nach allen Seiten 50 bis 100 cm Platz. In dem folgenden Video (Instagram Story Behind the Scenes) gibt es einen Einblick in die Konstruktion.

 
 

Und das war entscheidend: Die Blitzköpfe standen außerhalb dieser Hülle. Das Licht traf nicht direkt auf die Flasche, sondern wurde erst durch das Diffusionsmaterial gefiltert — und kam dann weich und gleichmäßig von allen Seiten.

Das ist das Geheimnis bei Packshots von Glasflaschen: Du willst nicht, dass das Licht auf die Flasche trifft. Du willst, dass es um sie herum leuchtet — und das Glas von innen heraus zum Leben erweckt.

Harte Lichtquellen direkt auf Glas erzeugen harte, weiße Reflexionen. Sie sehen billig aus, egal wie teuer das Produkt ist. Ein weiches, diffuses Licht aus einem Tunnel erzeugt sanfte Übergänge auf dem Glas und lässt die Flüssigkeit darin leuchten.

Was ich hier eigentlich gebaut habe, ist eine tunnelförmige Lichtbox, nur mit dem Unterschied dass die Lichtquellen so gesteuert/gesetzt werden können dass dadurch sanfte Verläufe in den Flaschen entstehen.

Produkte hinlegen für Packshots

Die fotografierten Produkte standen auf einem Tisch, und diese waren somit um Mantel von dieser Softbox. Aber hätte ich nicht die Produkte einfach auf einen Tisch legen können und von oben nach unten fotografieren können? Ja und nein. Das Problem bei Flaschen ist, sobald man sie hin lädt wandert die Luftblase zur Mitte der Flasche. Bei manchen Flaschen ist es nicht so dramatisch, da das Glas so dunkel ist, dass man die Blase kaum bemerkt, aber bei Produkten aus weißem Glas wäre das sehr störend gewesen.


Tethered Fotoshooting: Warum professionelle Fotografen für Produktfotos immer so fotografieren

Parallel dazu wurde das gesamte Shooting tethered durchgeführt. Die Kamera war per Kabel direkt mit dem Computer verbunden und die Fotos waren sofort auf dem Rechner abgespeichert.

Aber warum bei diesem Fotoshooting getethered fotografieren? Wenn du mehr über den Prozess erfahren möchtest kannst du dich in diesem Blog Post schlau lesen.

Bei diesem Fotoshooting war es besonders wichtig, dass sich die Kamera nicht bewegt. Deswegen habe ich die Kamera auf ein Stativ montiert und zusätzlich mit einem Sandsack beschwert damit selbst wenn ich aus Versehen gegen die Kamera stoßen sollte, bewegt sie sich keinen Zentimeter. Und ja, selbst das betätigen des Auslöser auf einer Kamera kann die Kamera unter Umständen um Millimeter verschieben und somit verändert sich der Bildausschnitt. Und um das zu vermeiden, benutzt man einen Fernauslöser und das kann man auch über die Software machen, mit der die Kamera verbunden ist.

Die Position von der Kamera durfte sich nicht verschieben, weil das sonst zu große Sprünge (visuell) bei der Positionierung von den Produkten ergeben hätte. Zusätzlich kann ich ein Vorschaubild der Kamera auf meinem Rechner sehen und kann somit Zentimeter genau die Positionierung von jedem Produkt genau festlegen. D.h. so ist auch nachträgliches arrangieren, der Produkte über Photoshop oder Ähnliches nicht notwendig.


Die Graukarte in der Produktfotografie - der zuverlässige Weg für Farbgenauigkeit

Um Stunden Nachbearbeitung und Feinjustierung von Farben der einzelnen Produkte abzustimmen und eventuell sogar raten zu müssen, ob das Label jetzt mehr grün oder blau ist, benutzen professionelle Fotografen, eine Graukarte. Ich benutze die Graukarte vom Datacolor. Während dem Fotoshooting hält man diese Graukarte in das Bild hinein und Variante in dem Shooting Ordner und kann nachher mit der Weißabgleich Pipette den perfekten Weißabgleich bestimmen, und somit liegt man auf der sicheren Seite, was Farbgenauigkeit angeht.

Leider ist das Thema aber weitaus komplexer und um wirklich sicher zu gehen, dass man Produkte richtig fotografiert beziehungsweise richtig bearbeitet ist auch ein Arbeitsplatz mit einem kalibriert Monitor und Farbmanagement essenziell für jeden professionellen Produkt Fotografen.


Mein Fazit: Was 150 Packshots wirklich brauchen

150 Flaschen in Serie zu fotografieren ist kein Geduldspiel — es ist ein Logistikprojekt mit Kamera.

Wer glaubt, man stellt einfach mehr Flaschen auf den Tisch, irrt. Jede neue Flasche ist eine neue Herausforderung: anderes Glas, andere Flüssigkeit, andere Reflexionen.

Was den Unterschied macht: ein System, das von Anfang an auf Masse ausgelegt ist — ohne Qualität als Wechselgeld zu benutzen.

Für ein oder zwei Produkte kannst du improvisieren. Für einen Onlineshop mit 150 SKUs, der täglich von Kunden beurteilt wird, ist das keine Option.

Das Produktbild ist der erste Handshake zwischen deinem Produkt und dem Kunden. Er hat keine zweite Chance.

 

Möchtest du professionelle Packshots für deine Produkte? Dann klicke auf den Button und fülle in unter 2 Minuten den Fragebogen aus und erhalte dein maßgeschneidertes und unverbindliches Angebot via Mail.

Weiter
Weiter

Was ein professionelles Fotoshooting wirklich ausmacht – und wie du den richtigen Fotografen findest